Unsere Räder sind zum Glück wieder fahrtüchtig und wir können unser Abenteuer fortsetzen. Nach der etwas längeren Ruhephase in Cusco freuen wir uns jetzt wieder ins Ungewisse aufzubrechen.
Wir verlassen Cusco an einem Sonntagmorgen. Der Verkehr war mäßig und eine lange Abfahrt führt uns hinaus aus der Stadt. Nach etwa 10 km haben wir Cusco mit seinen Vororten hinter uns gelassen. Die Landschaft öffnete sich wieder. Einige kleine verstreute Hütten säumten die weitläufige Landschaft.
Es fühlte sich gut an, endlich wieder in die Pedale zu treten. Haben wir doch unsere Räder das letzte Mal über den Salkantai-Trek bewegt und da haben wir sie gefühlt nur geschoben.

In Andahuaylillas haben wir uns die sogenannte „Schönste Kirche der Anden“ mal von außen angeschaut. In der Kirche war eine geschlossene Veranstaltung, sodass wir leider nicht eintreten durften.

Waschtag! Unter einem Eisenkessel wird ein Feuerchen entzündet und dann ist auch der Waschgang „Kochwäsche“ möglich.
Maximale Höhe: 4354 m
Gesamtanstieg: 6411 m

Diese kleinen Versorgungsstellen entlang des Weges sind einfach großartig! Einen super Ausblick gab es für eine kleine Pause noch dazu!

Sean Felipe und Ernesto sind uns vor Ayaviri über den Weg geradelt. Sie sind nordwärts unterwegs. Wo wir schon Mühe haben unsere Sachen auf unseren Rädern unterzubringen fahren die Beiden noch ihre Instrumente mit sich herum. Sean Felipe(links) hat eine Gitarre und Ernesto(rechts) eine riesen Trommel auf seinem Gepäckträger.

Schon von weiten haben wir die Staubfahnen von über die Felder rasenden Rallyefahrzeugen gesehen. Hier in Ayaviri konnten wir uns dann die Straße mit den Rennwagen teilen, die mit über 100 Sachen durch das Dorf jagten.

Nach Cusco konnten wir noch einige kleine Tempelanlagen der Inkas entlag des Weges erkunden. Man beachte die Raumspartreppe.

Hier noch ein Zeichen des letzten Wahlkampfes. Je nach Region gibt es für uns immer wieder neue Motive zu sehen.

Ob man hier in Peru einen Zuschuss der jeweiligen Partei für die Fassadengestalltung bekommt, haben wir noch nicht herausgefunden.

Unsere Pausen verbringen wir wenn möglich auf einem Hauptplatz entlang des Weges. Hier findet wir alle Stärkungen und Erfrischungen in den zahlreichen kleinen Lädchen um den Platz herum.
Inzwischen haben wir die 4.000 m – Marke wieder überschritten und die Temperaturen wanderten schon am Nachmittag Richtung 0°C. Da kam uns ein Freibad mit heißen Quellen als Nachtlager wie gerufen. Den Tag ließen wir bei einem Schauspiel des Sonnenunterganges an den schneebedeckten Gipfeln, bei einem Bad in einem Thermalbecken ausklingen. Überglücklich murmelten wir uns in unsere Schlafsäcke ein und freuten uns auf den nächsten Tag.
Am nächsten Morgen packten wir bei klirrender Kälte unsere Sachen wieder auf unsere Räder und schoben diese zurück auf die Straße. Ein schwefliger Geruch der heißen Quellen lag in der Luft und begleitete uns noch ein Stück hinaus aus dem Tal.
Als erste Hürde des Tages galt es den Rest des Passes, hinter dem sich dann endlich das lang ersehnte Altiplano erstreckt, zu erklimmen. Die Höhe des Abra la Raya liegt bei 4.338 Metern über Null. Dann folgte eine schöne Abfahrt und eine lange Gerade bis nach Juliaca am Rande des Titicacasees.

Den ersten Tagesordnungspunkt hätten wird geschafft. Und jetzt geht es endlich hinunter auf das Altiplano.
Die Einfahrt nach Juliaca gestaltete sich nervenaufreibend wie bei einer richtigen Großstadt. Es herrschte ein geschäftiger Verkehr. Die Tuk-Tuks kamen aus jedem Winkel angeschossen, Busse und Lastwagen drängten uns so einige Male von der Straße. Nachdem wir uns auf einen Fahrradweg in Sicherheit bringen konnten, waren wir überglücklich. Unser Ziel am Ende des Labyrinthes war das Casa de Ciclista von Giovanni. Er empfang uns mit offenen Armen und bot uns ein Zimmer zum übernachten an.
Über den Weg um den Titicacasee haben wir uns schon länger Gedanken gemacht. Die gebräuchlichere Route führt über Puno um die Westseite des Sees. Da dies aber auch die Hauptader nach Bolivien ist, gibt es dort einen höllischen Verkehr. Wir entschlossen uns schnell für die Panorama-Ostumfahrung des Sees. Dafür muss man sich aber den Ausreisestempel in Puno abholen, weil es keinen Grenzposten an der Grenze zu Bolivien auf der peruanischen Seite gibt. Wir fuhren mit einem Collectivo nach Puno und machten neben einem Abstecher zur Grenzstelle einen Rundgang durch das touristisch ausgeschlachtete Puno.
Wir hatten Glück und trafen in der Stadt wieder auf unsere Radfreunde (James, Tom, Kerstin und Matt) welche Cusco schon zwei Tage vor uns verließen. Leider zogen sie die westliche Route um den See vor und somit mussten wir uns wieder auf unbestimmt Zeit verabschieden. Wir nahmen das Collectivo zurück nach Juliaca welches über das ewig flache Land dem Sonnenuntergang entgegen jagte.
Juliaca verließen wir früh am Morgen. Giovanni wies uns noch an besonders vorsichtig zu sein, denn an dem Tag gab es viele Proteste in der Stadt. Diese konnten wir schnell durch aufgebaute Barrikaden, brennenden Mülltonnen und unmengen Glas auf den Straßen erkennen. Den wahren Grund konnten wir nicht so richtig erkennen, aber allgemeiner Unmut war mit dabei.

Es war wieder einer der üblichen Streiktage als wir Juliaca verließen. Die Straßen waren überseht mit Glasscherben, Reifenmauern, brennenden Mülltonnen und Reifen. Das sollte uns für den Rest des Tages eine fast freie Straße bescheren.

Ein Blick auf die Schilfanbaugebiete am Rande des Titicacasees. Das Schilf wird hier schon sehr lange als Baustoff zum Eindecken von Dächern genutzt. Nur haben wir festgestellt, dass man heute eher Blech vorzieht.

Weit außerhalb von Dörfern treffen wir hier immer mal wieder auf Hirten die mit Ihren Tieren über die Wiesen ziehen.
Moha erreichten wir am späten Nachmittag und fanden hier ein Hotel direkt am Plaza de Armas mit dem größtem Bett auf unserer Tour für umgerechnet 5 € die Nacht.

So etwas nennt man einen steilen Start. Gleich nach Moha ging es noch mal knappe 400 Höhenmeter nach oben. Wann kommt denn nun endlich dieses Altiplano…
Einen richtigen Grenzübergang gibt es auf der Ostseite des Titicaca zwischen Peru und Bolivien nicht. Auch gibt es kein Schild welches den Grenzverlauf markiert. Wir vermuteten die Grenze in einem verlassenem Dorf in dem die eine Hälfte der Häuser mit der üblichen peruanische Wahlkampf-Fassadengestalltung geprägt und die andere Hälfte mit der Werbung von bisher unbekannter Biersorten geprägt waren.

Das muss noch Peru sein. Diese Symbole verfolgen uns schon seit über zwei Monaten.
Escoma war unser Ziel für den ersten Tag in Bolivien. Wir radelten auf den Hauptplatz und hielten Ausschau nach einem Schild, welches auf eine Unterkunft hindeutete. Wir fragten einen Einwohner ob es denn hier ein „Hostal“ gebe. Als wir dann mit der geschilderten Wegbeschreibung vor einem „Hospital“ standen zweifelten wir an unseren Spanischkenntnissen. Also nochmal zurück zum Hauptplatz und das selbe Spiel nochmal. Als wir dann wieder vor dem Hospital endeten wurde uns klar, dass es den Begriff „Hostal“ im bolivianischem Spanisch nicht gibt. Einem jungem Bolivianer sind wir bei unseren Runden durch das Dorf aufgefallen und dieser warnte uns vor den Unterkünften im Dorf und empfahl uns, es doch mal bei dem Don Bosco-Haus am Rande des Dorfes zu versuchen. Dort konnten wir ein schönes Zimmer mit mehreren Doppelstockbetten beziehen.
Das Don Bosco-Haus wird von einer italienischen Organisation geleitet und dient zur Ausbildung junger Männer in Landwirtschaft, Holzbearbeitung und Gestaltung von Kircheneinrichtung. Wir erhielten von Maria eine Führung durch Gewächshäuser, eine Holzwerkstatt und einige Ateliers in denen die Kirchenfiguren neu gestaltet und restauriert werden. Die großen Maschinen in der Holzwerkstatt wurden alle aus Italien per Schiff herangebracht. So eine professionelle Werkstatt wird es in Bolivien wohl kein zweites Mal geben. So werden hier unteranderem hochwertige Möbelstücke für Kundschaft aus der Hauptstadt La Paz hergestellt.
Vor allem aber wird hier den jungen Männern gezeigt, mit welchen Hilfsmitteln und Techniken eine ertragreichere Bewirtschaftung der Felder möglich ist. Das Hilfsmittel Nummer Eins, ist das Gewächshaus. Von denen wurden von der Organisation auch schon einige in entlegenen Gemeinden errichtet.
Wir wurden zu dem Abendbrot der Gemeinschaft mit eingeladen und genossen einen sehr witzigen und aufschlussreichen Abend. Muchas Gracias AMIGOS!!!
Dieser Tag ist wieder mal ein Beispiel dafür, dass man nie weis was der Tag bringen wird und wo wir die nächste Nacht schlafen werden. Auch hier wurden wir wieder gastfreundlich aufgenommen und haben gleichzeitig einiges von unserem neuem Reiseland erfahren können.
Wir freuen uns jetzt weiter nach Bolivien vorzudringen und schwingen uns wieder auf unsere Räder.
Hast Luego Amigos!