Endspurt Baja California

Loreto verließen wir mit den ersten Sonnenstrahlen. Auf uns warteten viele steile Auf- und Abfahrten, welche wir zum großen Teil in der Morgenfrische absolvieren wollten. Wir waren durch die Zwangspause in Loreto wieder wohl erholt und waren optimistisch die 125 Kilometer nach Ciudad Insurgentes, trotz vieler Höhenmeter zu meistern. Für Anjas Rad war diese anstrengende Etappe ebenfalls eine neue Feuertaufe nach der Reparatur.

Die Straße verlief zu Beginn parallel zum Golf von Kalifornien, bevor sie uns dann wieder ins Innenland führte.

Mit dem Sonnenuntergang erreichten wir unser Ziel und fanden auch gleich eine Bleibe für die Nacht.

Am nächsten Morgen passierten wir die sehr hektische Stadt Ciudad Constitucion. Bevor es hinaus in die Wüste ging, befüllten wir uns noch in einer Agua Purificada mit jeweils 12 Litern Wasser.

Distanz: 729.05 km
Maximale Höhe: 427 m
Gesamtanstieg: 6264 m
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Die Sonne heizte uns mal wieder kräftig ein und ließ das Thermometer wieder auf 35 °C schnellen. Neben Militärkontrollen, welche plötzlich aus dem Nichts vor uns auftauchten, erschienen uns ähnlich wie eine Fata  Morgana kleine „Tecate-„, „Pacifico-“ oder „Corona – Läden“ in der flimmernden Hitze. Dort konnten wir unsere lang ersehnte Erfrischung, in Form einer kalten Cola im Schatten genießen. Für all diejenigen, welche auch eine Tour durch abgelegene Gebiete planen sei gesagt:

Auch wenn es kein Wasser zu kaufen gibt, Coca Cola gibt es überall.

Noch eine Erkenntnis: Im spanischem Raum bestellt man keine Cola, sondern Coca. Cola ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das männliche Geschlechtsorgan. Wenn man dieses bestellt, dann hat man alle Lacher auf seiner Seite.

Die Oase in der Wüste

Doch keine Fata Morgana

Die weiteren zwei Nächte verbrachten wir wieder in unserem Zelt unter einem grandiosen Sternenhimmel. Im Sichtschutz von Yuccapalmen und Kakteen haben wir es uns gemütlich gemacht. Der Mond hat in diesen beiden Nächten so hell geschienen, dass wir unsere Stirnlampen nicht benötigten.SternenhimmelÜber Warmshowers hatten wir im Vorfeld, Glenda in La Paz kontaktiert, ob wir bei ihr übernachten können. Sie meldete sich promt, dass wir erwartet werden. Bei unserer Ankunft, wartete Glenda schon mit dem Essen auf uns. Danach haben wir uns mit einer ausgiebigen Dusche von unserem Schweiß der letzten drei Tage getrennt. Auf Glendas Grundstück trafen wir auf sieben weitere Radler, welche sich nach der Wüstenetappe hier regenerierten. Auf der Straße, war von diesen Gleichgesinnten weit und breit nichts zu sehen, was wohl daran lag, dass die Meisten Richtung Süden radelten.

Blick in Glendas Hof

Blick in Glendas Hof

Das Klima in welches wir eingetaucht waren, war ähnlich eines Hostels. Glenda ist es gewöhnt, dass ihr Haus öfters voll ist. Sie ist zum Einen der einzige Kontakt bei Warmshowers in La Paz und des Weiteren geht von La Paz die Fähre aufs Festland, auf die man gewöhnlich länger wartet.

Unser Aufenthalt bei ihr dauerte zunächst eine Nacht. Bevor es für uns rüber aufs Festland gehen sollte, wollten wir noch den südlichsten Zipfel der Baja erkunden.

Auf dem Weg nach Todos SantosDas erste Etappenziel war Todos Santos. Diese Stadt liegt direkt auf dem Wendekreis des Krebses, unter welchem sich per Definition die Tropen erstrecken. Todos Santos selbst, ist umringt von Palmen und besitzt endlos lange, sowie einsame Strände. Das milde Klima hat vor allem amerikanische Künstler angezogen, welche hier sesshaft geworden sind. Die Stadt versprüht mit den unzähligen kleinen Galerien, kunstvoll eingerichteten Hotels und Restaurants ein sehr angenehmes Flair.

In Todos Santos steht auch das von den Eagles besungene „Hotel California„, welches dadurch über die Landesgrenze hinaus bekannt geworden ist.

Wir haben für zwei Nächte einen sehr schönen Campingplatz, in der Nähe des Strandes ausfindig gemacht.

Das war unsere Outdoorküche in Todos Santos.

Das war unsere Outdoorküche in Todos Santos.

Nahe unseres Camps gab es eine Schildkrötenstation. Die Seeschildkröten kommen übers ganze Jahr hinweg in der Nacht auf den Strand, um ihre Eier zu vergraben. Dabei werden von der Mutter hunderte von Eiern in einer Tiefe von etwa 0,6 bis 1 m vergraben. In den Wintermonaten ist die Bodentemperatur für das Schlüpfen der Schildkröten zu gering und so wird der Strand jeden morgen nach neuen Nestern abgesucht. Die Eier werden ausgegraben und in einem Gewächshaus wieder vergraben. Jeden Abend nach Sonnenuntergang, werden die frisch geschlüpften Schildkröten in die Freiheit entlassen. Dann ist die Gefahr der natürlichen Feinde (Vögel, Hunde, Kojoten), beim Weg ins Wasser am geringsten. Dieser Zeremonie haben wir zwei Abende beigewohnt. Waren es am ersten Abend nur acht, so haben am Zweiten 84 junge Schildkröten den Strand bevölkert.

Die Sonnenuntergänge haben diese beiden Abende dazu noch abgerundet.

Sonnenuntergang in Todos SantosMit einem sehr schönem Sonnenaufgang wurden wir von Todos Santos verabschiedet und starteten zu unserem zweitem Etappenort, Cabo San Lucas. Wir erfreuten uns schon von La Paz aus, über die breite vierspurige Straße mit Standstreifen/Fahrradweg mit sehr wenig Verkehr. Diese spürbar überdimensionierte Straße wurde wie so viele andere Monsterprojekte, im Rahmen des G20 – Gipfels in Mexiko im Jahre 2012, aus dem Boden gestampft. Damit die wichtigsten Politiker aus aller Welt vom Flughafen in La Paz, zum Kongressort Cabo San Lucas chauffiert werden konnten, war dieses Prestigeprojekt notwendig.

In Cabo San Lucas tauchten wir in ein sehr hektisches Stadtleben ein. Viele große Einkaufszentren, Hotelanlagen und Golfplätze „schmücken“ das Stadtgebiet. Diese Stadt ist das Ibiza der Amerikaner, welche im Stadtbild auch sehr präsent sind.

Diese Stadt ist ein sehr teures Pflaster mit wenig Charm. Zur Belohnung für unsere Leistung, dass wir den südlichsten Zipfel der Baja erreicht haben, wollten wir den Sonnenuntergang am Strand genießen. Da wir aber unzählige Male von Strandverkäufern schon regelrecht bedrängt wurden und der Jetskirummel vor dem Strand auch keinen Gemütlichkeitsfaktor versprach, sind wir vorzeitig zu unserem Zelt zurückgekehrt.

Da unser Plan, eine Mitfahrgelegenheit mit einem Segelboot von diesem Ort zum Hauptland ausweglos war, sind wir wieder nach La Paz aufgebrochen.

Auf dem Rückweg haben wir eine Nacht auf dem uns wärmstens empfohlenen Playa San Pedrito verbracht. Dort trafen wir zufällig auch wieder auf  Verena und Markus aus Deutschland. Am nächsten Morgen haben wir nach einem Feuerwerk von einem Sonnenaufgang ein Einblick in das Surferleben, wofür der Strand so berüchtigt ist, bekommen. Diese Surfergemeinde, meist mit amerikanischen oder kanadischen Wurzeln, kommt hier jeden morgen zusammen, weil da die Wellen am „saubersten“ sind.

Dananch ging es zurück nach La Paz in Glendas Fahrradhostel. Von anderen Radlern haben wir erfahren, dass die Chancen, eine Mitfahrgelegenheit mit einem Segelboot zum Festland bei der Marina in La Paz, sehr gut sind. Zwei Morgen waren wir pünktlich um acht Uhr bei der Marina, um unser Anliegen unter der Rubrik Anzeigen, über das Rundfunkgerät kund zu geben.

Mit dieser Anzeige am Kaffeehäuschen der Marina haben wir uns, um eine Mitfahrgelegenheit beworben.

Mit dieser Anzeige, am Kaffeehäuschen der Marina , haben wir uns um eine Mitfahrgelegenheit beworben.

Ab 9:30 Uhr ist allgemeiner Kaffeetreff der Cruiser, bei dem wir unsere Fühler ausgestreckt haben. Wir unterhielten uns mit einigen Seglern, ob sie jemanden kennen, der bald ablegt und noch vier helfende Hände benötigt. Wir trafen auf Leute, welche Unterstützung für ihre Fahrt nach Griechenland oder nach Australien suchten, aber eine Fahrt zum Hauptland war dann schon schwieriger zu finden. Dies waren zwar verlockende Optionen, aber diesmal nicht…

Bei unserem zweitem Anlauf sprach uns dann Meri an. Sie wollte mit ihrer Familie in fünf Tagen ablegen und bot uns eine Mitfahrgelegenheit nach Puerto Vallarta an. Wir waren überglücklich, dass sich unsere Mühen gelohnt haben und konnten jetzt in Ruhe die Stadt und Umgebung erkunden.

Weil wir Glendas Haus nicht zu lang belagern wollten, beschlossen wir für ein Paar Tage auf den Tecolote Strand nördlich von La Paz zu fahren.

Einige Impressionen von diesem Strand und unsere Eindrücke von der Bootsüberfahrt folgen demnächst.

Bis dahin: „Hasta Luego!“

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