Nach den letzten anstrengenden Tagen sehnen wir uns langsam nach einer kleinen Erholungspause. Als geeignetes Etappenziel haben wir dafür Caraz, zu Füßen der Cordillera Blanca erkoren. Von den letzten anstrengenden, aber sehr abenteuerlichen Tagen zu unserer Pause, davon berichtet folgender Beitrag.
Maximale Höhe: 3148 m
Gesamtanstieg: 3552 m
Erst in 2 Tagen soll es wieder einen Ort mit Nachschubmöglichkeit geben und so plünderten wir zur Vorsicht nochmal die Läden in Pallasca. Am frühen Morgen wanderten jede Menge Brötchen, Nik – Waffeln und ein Paar Bananen, in unsere Taschen.

Die Straße war durchgehend asphaltiert. Nur leider wurden einige Teile durch Erdrutsche in Mitleidenschaft gezogen.

War es in Pallasca auf 3.100 Metern noch sehr frisch, so mussten wir uns nach dem Landen in der Talsole erstmal an das Backofenklima gewöhnen.
Eine wilde Abfahrt setzte kurz nach dem Dorf ein und brachte uns hinunter in das Tal des Rio Tablachaca. An diesem ging es dann bis zur Kreuzung bei Chuquicara mit leichtem Gefälle hinab, bis er in den Rio Santa mündete. Hinunter zum Fluss verbrateten wir in der ersten Stunde erstmal 1.500 Hm und im weitern Tagesverlauf noch einmal 1.000 Hm.

Weil ein erfolgreicher Radeltag bei uns erst mit einem Platten komplett ist , gab es den auch noch gratis dazu. Sonst hätte uns ja was gefehlt…
Die Fahrt entlang des Flusses war sehr spektakulär. Links und rechts ragten steile Felswände über 1.000 m in die Höhe. Die Straße wurde entlang des Flusses in den Stein gehauen. Es ging durch Tunnel, Überführungen, rauf runter, links, rechts und so sausten wir immer bergab. Das war ein großer Spaß! Desto mehr wir uns der Kreuzung bei Chuquicara näherten desto mehr trübte ein stärkerwerdender Gegenwind diese paradiesische Fahrt. Das einzig positive war, dass dieser auch immer ein wenig kühlende Gischt vom Fluss aufpeitschte und uns ein wenig abkühlte. Wir befanden uns inzwischen unter 1.000 Meter über Null und die Sonne verwandelte das Tal in einen Backofen und wir fühlten uns wie das Brathähnchen.

Die peruanischen Straßenbauer müssen schon ein Paar knallharte Typen sein. Die Straße wurde hier auf 50 Kilometern in den Stein gehauen.
Chuquicara bestand dann aus jede Menge verfallener Häuser, einer Tankstelle, Polizeikontrolle, ein Paar Essensständen und sogar zwei Unterkünften. Wir sahen uns eine an und entschieden uns doch dazu unser Zelt im Wind aufzustellen. Für einen stolzen Preis gab es ein unterirdisches Angebot von Zimmer und sanitären Einrichtungen. Anja kam von der Begehung der sanitären Einrichtungen, welche sich 400 Meter entfernt! befanden, schon fast panisch zurück gerannt, sprang auf ihr Rad und sagte, „Jungs, wir müssen hier weg“. Ab dem Abzweig hatten wir den Wind nun im Rücken und starteten die Auffahrt entlang dem Rio Santa. Gab es bis zur Kreuzung Asphalt ging es jetzt auf Kies und gemeinem Waschbrett mühselig voran. Wenigstens kam der Wind jetzt kräftig von hinten.
Nach insgesamt 95 Tageskilometern fanden wir dann einen schönen Platz zum Zelten am Rio Santa.
James wollte den Rückenwind noch ein wenig nutzen und rollte noch ein Paar Kilometer weiter. Wir verabredeten uns aber spätestens im Dorf Huallanca.
Für unsere Mühen wurden wir mit einer Vollmondnacht mit sternklarem Himmel belohnt.
Am nächstem Tag setzten wir die staubige Fahrt durch die Callejón de Huaylas fort. Ein heißer Tag stand bevor und so schoben wir unser Räder noch vor Sonnenaufgang zurück auf die Straße, um die kühle des Morgens zu nutzen.

Von Nancy wurden wir mit einem Kaffee vom Waschbrett gelockt. Sie war die einzige Bewohnerin in einer sonst zum Geisterdorf verkommenen Siedlung. Sie war früher Lehrerin in Trujilo. Sie hat es dann aber hier in die Einsamkeit verschlagen. Von ihr konnten wir so einiges über dieses Tal erfahren. Sie sagte uns, dass Tags zuvor 2 Franzosen und ein Engländer durchgeradelt sind. Mal sehen ob wir die noch einholen…

Das Tal ist Teil einer alten Handelsrute, welche sich von der Küste hoch in die Berge nach Huaraz zieht. Noch heute sind hier viele Zeitzeugen einer lebhafteren Vergangenheit zu bestaunen. Viele dieser verfallenen Fabrikkomplexe säumen das Tal. Hier waren wohl früher kleinere Minentätigkeiten im Gange.

Feind voraus! Einige haben ihr Tempo ein wenig gedrosselt und Anderen wiederum waren sichtlich entzückt wie wir uns vor dem fliegendem Kies versteckten.

Auf dem Weg hoch nach Huallanca galt es wieder jede Menge unbeleuchteter Tunnel mit bis zu 200 Meter Länge zu durchqueren.

Die Straße verläuft heute auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse, welche hier zu früherer Zeit den Transport der Güter übernahm. Vielerorts sind noch alte Gleise und Verladeeinrichtungen zu finden.

Finsteres Loch voraus. Die Peruaner sind ja beim Benutzen der Hupe nicht so zaghaft und so konnte man schon von Weitem hören, wenn sich einer einem Tunnel nähert. Endlich mal eine sinnvoller Anwendungsbereich!

Kurz vor Yuracmarca gab es nochmal ein eklig steiles Stück zu erklimmen. Wir sehnten uns zu diesem Zeitpunkt sehr nach einem schattigem Plätzchen für eine Pause.
Eine Bushaltestelle diente uns in Yuracmarca als Pausenort und wir bündelten nochmal unsere Reserven für die letzten Kilometer nach Huallanca. Es herrschte eine unerträgliche Hitze und ein Lüftchen kam von hinten und kühlte uns kein Stück.
Abgekämpft erreichten wir nach nur 55 Kilometern unser Ziel Huallanca. Alle Unterkünfte der Stadt waren ausgebucht. Das Dorf dient als Versorgungsort für das Nahe gelegene Wasserkraftwerk und die Arbeiter blockieren hier fast alle Zimmer. James trafen wir dann in einer Hospedaje an. Wir hatten einiges an Energie nachzufüllen und gingen gemeinsam zu einem Almuerzo. Es gab wie typisch für Peru, Reis mit Hühnchen und diesmal sogar etwas Grünzeug dazu.
Danach begaben wir uns weiter auf Schlafplatzsuche und klopften an die Pforte der Schule am Ortsausgang. Efraim, der Direktor öffnete und war sehr erfreut wieder Gesellschaft zu haben. Wie wir erfuhren, ist diese Schule eine Art Radlerbehausung, die mindestens einmal pro Woche als Herberge dient. Es gab Wasser, Dusche und Platz für unsere Schlafmatten. Seit in dem Dorf ein neues Schulgebäude errichtet wurde, dient dieser Schulkomplex seit 2 Monaten eigentlich nur noch als Wohnung für den Direktor und als Herberge für die verschwitzten Radler.

Das waren die typischen Lichtschalter in der Schule. Die Kabel zusammenhalten bis es kurz funkt und dann leuchtet es.

Erst 2 Monate ist die Schule außer Funktion. Es war aber alles zugestaubt, als wären es schon 2 Jahre.
Am nächsten morgen stand James um 6:00 Uhr an der Einfahrt zur Schule und war bereit mit uns die letzten Kilometer nach Caraz anzugehen.
Es sollte diesen Tag durch den Cañón del Pato, die sogenannte Entenschlucht gehen. Das ist eine einspurige Straße, welche sich nach Huallanca durch 35 Tunnel in die Höhe windet. Die Schlucht wird zur Linken von der Cordillera Blanca und zur Rechten von der Cordillera Negra begrenzt.

35 Tunnel gab es diesen Tag zu durchfahren. Alle mit ungewisser Länge und ohne Beleuchtung. Stockfinster war es in den Längeren gewesen.

Das Wasserwerk nahe Huallanca wird erweitert. Dieses kennzeichnet auch das Ende der Entenschlucht und kurz darauf öffnete sich die Landschaft wieder.
Überglücklich waren wir Caraz endlich erreicht zu haben und uns nach den letzten anstrengenden aber auch sehr Eindrucksvollen Etappen mal zurückzulehnen. Wir, sowie unsere Fahrräder hatten mal wieder etwas Pflege nötig und so freuten wir uns auf ein Paar Tage ohne Trampeln.
Caraz liegt zu Fusse der Cordillera Blanca, einem Kletter- und Trekkerparadies. Ein Paar Eindrücke dieser Landschaft folgen in unserem nächstem Beitrag.