Großstadtabenteuer

An dem Erbe der spanischen Kolonialherrschaft, den prunkvollen Kolonialstädten, haben wir uns bisher schon sehr nah an die mexikanische Hauptstadt heran-geangelt. Nur noch 200 Kilometer trennen uns von der größten Stadt der Welt, welche von den Einheimischen manchmal liebevoll mit “el monstero” bezeichnet wird. Weitere Bezeichnungen sind DF ausgesprochen “de efe” oder einfach nur Mexiko.

IMG_3513 Zocalo von PolotitlanAls Sprungbrett sollte uns das nette Städtchen Polotitlan dienen. Von hier aus wollen wir in das Zentrum Mexikos an einem Tag erreichen. Unser Weg führte uns mal wieder ganz reizlos auf der Cuota entlang. Das ist eine Bezahlstraße, welche einen schönen Seitenstreifen besitzt und für Radfahrer kostenlos befahren werden kann. Umso näher wir der Hauptstadt kamen, umso dichter wurde der Verkehr.

8.000 Kilometer aus eigener Kraft, das ist schon ein tolles Gefühl.

8.000 Kilometer aus eigener Kraft, das ist schon ein tolles Gefühl.

Auf einmal war an Markos Fahrrad ein lauter “Knack” zu vernehmen und das Hinterrad schliff auf einmal am Rahmen.

“Was war das denn?”

Den Fehler haben wir so schnell nicht gefunden. Wir haben alles abgesucht: Felge, Achse, Speichen und Schutzblech. Alles an seinem Platz. Vielleicht hat sich ja nur ein Stein im Schutzblech verhakt… Erst beim dritten Mal darüberschauen haben wir den Totalschaden entdeckt.

NabenschadenDieser Tag kommt auch in die Liste für Sachen, mit denen wir nicht gerechnet hatten.

Der Verkehr war hier am Rande von Mexiko Stadt sehr nervenaufreibend. In diesem Blechlawinenjungle war für uns nun Räder schieben angesagt. Wir hofften in der nächsten Stadt, Tepeji etwas ausrichten zu können. Glück im Unglück hatten wir diesmal ebenso, wie im Januar auf der Baja California, dass es nur 6 und nicht 60 Kilometer zur nächsten Ortschaft waren. Wir ahnten schon, dass dieses Problem doch etwas schwerwiegender ist und der gewöhnliche mexikanische Fahrradschrauber keine 36 Lochnaben auf Lager hat. So nahmen wir für die letzten 50 Kilometer, den Bus nach Mexiko Stadt. Wer sich denkt, dass das Bus fahren mit Fahrrad im Gepäck weniger anstrengend ist, der muss mal zwei davon in ein schmales Gepäckfach puzzeln.

Busbahnhof Tepeji

Distanz: 278.69 km
Maximale Höhe: 2685 m
Gesamtanstieg: 3285 m
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Leider war der Busbahnhof etwas abseits des Zentrums. Da ein weiterer Transport unserer Räder mit Metro, Taxi oder Bus unmöglich war, haben wir die restlichen 7 Kilometer durch die Stadt zu Fuß in Angriff genommen. Dabei viel uns, wie in so vielen mexikanischen Städten auf, dass diese nicht für Fußgänger gemacht sind. Es waren Absätze von bis zu einem halben Meter zu überwinden, parkende Fahrzeuge versperrten uns den Weg und oftmals gab es für Fußgänger keine Möglichkeit Straßen zu passieren. Irgendwie haben wir uns dann einen Weg in das Zentrum gebahnt und eine Unterkunft für die nächsten Tage aufgesucht.

Vom Shimano – Servicecenter haben wir eine Adresse von einem Fahrradladen bekommen, bei dem wir gleich am nächsten Tag unser Glück versuchen wollten. Mit der Metro ging es dann an das andere Ende der Stadt.

Mit der Metro kommt man in Windeseile ans andere Ende der Stadt.

Mit der Metro kommt man in Windeseile ans andere Ende der Stadt.

Trotz der vielfältigen Linien und großräumigen Ausdehnung des Metronetzes, war der Linienplan deutlich übersichtlicher als der von Dresden, auf dem man oftmals verloren ist. Um der analphabetischen Bevölkerungsschicht entgegen zu kommen, wurde jede Haltestelle mit einem unterschiedlichem Symbol gekennzeichnet.

Diese Symbole haben uns zur Orientierung geholfen.

Diese Symbole haben uns zur Orientierung geholfen.

Der Fahrradladen “Bikes DF” konnte uns zum Glück eine neue Radnabe versorgen. Da mexikanische Konstruktionen für Marko bisher nicht so vertrauenswürdig waren wollte er das Rad zunächst selber einspeichen. Da der Laden dann doch einen recht professionellen Eindruck erweckt hat, wollten wir uns eines Besseren belehren lassen.

Nun waren wir unsere Sorgen los und hatten die Hände wieder frei für die Erkundung der Stadt.

Die Kathedrale (Catedral Metropolitana de la Asunción de María de la Ciudad de México) am Rande des großen Hauptplatzes (Plaza de la Constitucion), hat eine Innenabmessung von etwa einem Fußballfeld und ist die größte Kirche des amerikanischen Kontinents.

Kathedrale

Hauptaltarraum der Kathedrale

KathedraleAuch sind wir bei unseren Streifzügen wieder auf viele Murales – Wandbilder gestoßen. Der Muralismus als Kunstform hat sich nach der mexikanischen Revolution entwickelt. In den Murales – Wandbilder werden oftmals politische sowie auch kritische Botschaften verarbeitet. Einer der bekanntesten Muralisten Mexikos war Diego Riviera. In seinem Haus in Guanajuato konnten wir uns schon ein Bild von ihm machen. Die Murales im Nationalpalast in Mexiko Stadt haben dann doch nochmal alles bisher gesehene übertroffen.

Das Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko Stadt ist weltberühmt und war ebenfalls Ziel einer Exkursion. Dort wird sehr Eindrucksvoll die Geschichte Mexikos vor der Entdeckung Amerikas durch Christopher Columbus und die lebendige Indianerkultur ausgestellt. Leider war auch hier im größten Museum von Mexiko keine englische Übersetzung der Schautafeln zu finden.

Auf dem Plaza de la Constitucion war eine große Ausstellung des mexikanischen Militärs. Mit dieser Ausstellung soll der Bevölkerung ein Einblick in die Arbeitsfelder und Ausrüstung vermittelt werden.

Da Mexiko Stadt die größte Stadt der Welt sein soll, haben wir mit deutlichen Problemen gerechnet, die so ein Ballungsraum mit sich bringt. Wir waren dann doch, von der Sauberkeit in den Vierteln in denen wir unterwegs waren, sehr überrascht.

Nach diesen Ausflügen in der großen Stadt haben wir uns dann doch wieder danach gesehnt dem Großstadtgetümmel den Rücken zuzudrehen und in ruhigere Gefilde zu trampeln. Dafür fehlte uns aber noch das notwendige Hinterrad, welches wir noch abholen mussten. Beim Fahrradladen angekommen merkten wir schon, dass eine angespannte Atmosphäre in der Luft lag. Es wurde noch über dem Rad geschwitzt. Nach 1 Stunde warten war es dann endlich so weit und wir konnten es entgegen nehmen. Beim Gang zur Metro bemerkten wir dann jedoch eine Höhenacht von einem cm und sind noch mal umgekehrt. Da der erste Mechaniker nach dem uns das Rad übergeben wurde fluchtartig den Laden verlassen hatte machte sich ein anderer ans Werk. Nach weiteren 90 Minuten unkoordinierten rumdrehen an den Speichennippeln war das Rad dann “Zentriert”.

Hier wird sich noch gefreut... --> Zu früh gefreut

Hier wird sich noch gefreut… –> Zu früh gefreut

Beim Einsetzen des Hinterrades in unserem Hotelzimmer sind wir dann nochmal über die getane Arbeit aus den Wolken gefallen. Da wir am nächsten Tag die Stadt verlassen wollten blieb nichts anderes übrig, um selber Hand anzulegen und noch einmal von vorn zu beginnen. Da haben wir zu unrecht von hochwertigen Cannondalerädern und lauter Apple – Computern auf Professionalität geschlossen.

Wenn jetzt noch der Reifen draufkommt, dann schleift dieser am Rahmen.

Wenn jetzt noch der Reifen draufkommt, dann schleift dieser am Rahmen.

Zum Glück habe ich vorher alle vier Räder selber eingespeicht...

Zum Glück habe ich vorher alle vier Räder selber eingespeicht…

Das Rad konnte dann doch recht fix zentriert werden und wir konnten am nächsten Morgen wie geplant starten.

Bis demnächst: “Hasta Luego!”

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